Langsam kam sie auf mein Bett zu. Sie war immer noch schön, trotz der vielen Jahre, die inzwischen vergangen waren. Meine Augen schmerzten und mein Herz schlug unregelmäßig. Ich sah sie an, und sie erwiderte meinen Blick. Ihre Augen! Gott, was hatte ich diese Frau geliebt und ich liebte sie immer noch. Ihre Lippen zitterten leicht, doch ihr Blick war fest. Nach ein paar Sekunden fragte sie mich: -Klaus warst Du es?

Ich antwortete nicht. Ihr Blick wurde härter. Sie fragte noch einmal, lauter: -Hast Du das getan? Ich versuchte, zu antworten, doch es kam nur ein fader Lufthauch über meine rissigen Lippen. Mein Herz pumpte hart gegen meine Brust. Was wollte ich ihr überhaupt sagen?

Ja, ich war es gewesen. Ich hatte ihr Leben zerstört. Sie hatte so glücklich ausgesehen damals, und ich war verrückt nach ihr gewesen. Aber sie hatte mich nicht einmal angesehen. Nicht so, wie sie Martin angesehen hatte. Ich hatte Martin gehasst dafür. Aber die Liebe zu ihr war nicht gegangen. Im Gegenteil, sie war nur schmerzhafter geworden. Ich verrannte mich haltlos in dieses Gefühl, und es hatte gedroht, mich zu ersticken. Ich konnte nächtelang nicht schlafen, dachte nur an sie, immer nur an sie und wie sie in Martins Armen ein Glück genoss, das sie von mir doch tausendmal mehr geschenkt bekommen hätte. Aber sie wollte es nicht. Sie wusste nicht einmal, dass es ihr offen stand. Nicht, dass es nicht offensichtlich gewesen wäre, aber sie war wie blind dafür, es kümmerte sie nicht.

Monate verstrichen, und es ging so weiter, Martin und sie, sie und Martin, und ich irgendwo im Hintergrund, am Rand eines Fotos, eine flüchtige Erwähnung. Ich tobte, und nichts konnte mir helfen, ich fühlte, wie ich langsam verrückt wurde. Dann keimte es in mir. Ganz plötzlich, in einer der zahlreichen schlaflosen Nächte, als ich halb betrunken auf meiner Couch dämmerte ich hätte ihr den Himmel geschenkt und wenn sie den nicht wollte, dann würde ich ihr die Hölle schenken. Sie sollte mich hassen, wenn sie mich schon nicht liebte. Fast bedeutete es mir genauso viel, den Hass dieser Frau auf mich zu ziehen, wie ihre Liebe.

Und dann tat ich es.

Als sie nun dastand, all diese Jahre später, im Krankenhaus an meinem Bett, und als ihr alles langsam bewusst wurde, sie Gewissheit bekam da spürte ich es – ja, jetzt endlich war ich das Zentrum dieser Frau, der Mittelpunkt ihrer Welt, alles, woran sie dachte, das war jetzt ich, ich war ihr Schmerz, ich war ihr alles. Tränen traten in meine Augen, nach der ganzen vergangenen Zeit hätte ich nie gedacht, dass ich in ihr so viel Platz einnehmen, dass ich ihr so wichtig werden könnte. Und sie konnte hassen, ich sah es in ihren Augen. Sie schienen schwarzes Feuer auf mich zu spucken, ihre Hände waren zu Fäusten geballt, ihre Lippen zusammengepresst und zwei Tränen rannen ihr still die Wangen hinunter. Mein Herz schlug wie verzweifelt, aber ich fühlte, dass dieser Moment zu viel war. Ich nahm meine letzte Kraft zusammen, holte so tief Luft, wie es eben noch ging, und hauchte: -Ja, ich war es.

Sie schien einen Augenblick zu versteinern. Ich genoss diesen Moment so sehr wie nichts in meinem Leben ich sonnte mich im Hass dieser nun meiner Frau wir waren verbunden, wurden eins, durch ihren Hass.

Sie kam langsam auf mich zu, zog langsam, bedacht, ihren Handschuh aus, ballte die Faust, holte aus und schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht. Ich starb. Ich wurde von der Berührung meines Engels in die Nacht gerufen.

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